Vereinskollegen II

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Wir begegnen natürlich immer wieder auch anderen Eltern behinderter Kinder, sei es in der Kinderklinik oder unterwegs im Alltag. Und ich habe festgestellt, dass es einen großen Unterschied macht, ob Mütter oder Väter sich unterhalten. Beispielhaft folgende Geschichte:

Ich warte mit Tammi im Wartezimmer der Anästhesie auf das Vorgespräch für die Narkose, habe schon einige Fragebögen ausgefüllt und bespaße nun das quakig werdende Kind. Da kommt ein weiteres Mädchen samt Vater im Kinderwagen reingeschoben, der Vater sichtlich gestresst, weil sie zu spät sind. Unterm Arm die Fragebögen und die Wickeltasche. Mein Blick fällt direkt auf das kleine Mädchen, etwas jünger als Tammi, mit Magensonde, Tracheostoma und Ernährungspumpe am Rehabuggy. Sie schaut neugierig aus ihrem Wagen und ich grüße freundlich. Der Vater erwidert meinen Gruß, beschäftigt mit seinen Papieren. Tammi fängt an zu weinen, und nun sieht auch der andere Vater auf. „Ach Scheiße, ihr habt auch einen Rehabuggy?“ „Ja, gleiches Modell wie ihr, denke ich.“ „Die Federung ist totaler Mist, oder? Ich baue da jetzt was Anderes drunter, das geht ja gar nicht!“ Tammis Vater wäre vermutlich auf dieses Fachgespräch detailverliebt eingegangen, mir bleibt nur ein „Ja, rappelt auf Waldboden ganz ordentlich“.

Ich schätze, wäre ich der Mutter des kleinen Mädchens begegnet, wäre Folgendes passiert:

Sie wäre vermutlich weniger gestresst gewesen (hüstel…), hätte mich beim Betreten des Warteraumes nett gegrüßt und Tammi mit einem „Na? Wer bist Du denn? Das ist Paulina!“ bedacht. Wir wären über unsere Kinder ins Gespräch gekommen, offensichtlich beide mit einigen Baustellen, und hätten angemerkt, was das jeweils andere Kind aber schon toll könne. Je nach Wartezeit hätten wir über unsere jeweiligen Geschichten gesprochen und uns erzählt, warum wir heute da sind. Eventuell hätten wir noch die Stationen ausgetauscht, auf denen wir in den nächsten Tagen zu finden wären, um eventuell gemeinsam einen Kaffee zu trinken. Aber über Kinderwagen-Untergestelle und Federungen hätten wir sicher kein einziges Wort verloren.